![]() | Semiotik - Semiosen | ![]() | ||||||||||
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| Wann immer wir
miteinander sprechen,
etwas aufschreiben, uns zuwinken oder eine SMS versenden,
produzieren und interpretieren wir Zeichen. Zeichen sind komplexe
Wesen, aber sie können unser Handeln bestimmen, wie in diesem
einfachen Beispiel: Wir stehen vor einer Ampel, erkennen die Signale
"Rot" und "Grün" und aktivieren den grundlegenden Code /rot=verboten; grün=erlaubt/. Im Normalfall handeln wir der Vorschrift entsprechend. Sogar wenn wir willentlich die Regeln verletzen und bei Rot die Straße überqueren, steht das Zeichen in direkter Beziehung zu unserer Handlung. Es geht aber auch dann um Zeichenprozesse, wenn nicht offensichtlich etwas gesprochen, geschrieben oder signalisiert wird: Die Architektur eines Hauses besteht aus einer Kombination vielfältiger Materialien und Zeichen, die zur Funktion des Gebäudes beitragen; ein Kunstwerk ist ebenfalls zeichenhaft, weil es sich auf andere Kunstwerke bezieht und diese 'interpretiert' - und schließlich bezahlen wir unsere Rechnungen mit Geld-Zeichen. Semiotik im Allgemeinen beschäftigt sich mit solchen Prozessen im Hinblick auf gemeinsame Strukturen, beschreibt diese und bildet Theorien; in meinen Aktivitäten und Interventionen werden die Erkenntnisse der Semiotik und der Diskurstheorie auf drei Praxisfelder bezogen :
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Das
semiotische
Dreieck verdeutlicht die wesentlichen Relationen des Zeichens. Es
besteht zum einen aus einer physischen Ausdrucksseite (Signifikant) -
das kann eine
Lautkombination, ein Schriftbild, ein Piktogramm, eine Zeichnung, ein
Foto oder eine menschliche Geste sein. Diese Ausdrucksseite ist verbunden mit einem Signifikat, das verschiedene Bedeutungsteil (Seme) enthält. In unserem Beispiel "Tafel" ist das die Reihe /in Form einer Platte/, /frontal/, /senkrecht aufgestellt/ und /beschreibbar/. In dem Beispiel des Dreiecks für "Tafel" ist rechts unten der Kontext eingetragen, also der Bezug des Zeichens auf eine 'andere' Realität. Diese ist, so die neuere Diskussion, nicht mehr rein außersprachlich, sondern als Außersprachliches immer-schon bedeutet, also Kon-Text: Für unsere Tafel wird folgende Reihe aktualisiert: "Klassenraum" oder "Unterrichtsraum", ferner "Visualisierung" und "Bildung". Verwiesen wird auf andere Zeichenketten, auf den Strom der Zeichen, die das Zeichen Tafel interpretieren. Diese "Ecke" des Dreiecks verweist also auf den (gesellschaftlichen) Diskurs. | ![]() | |||||||||||
![]() | Semiosis ist
ein Begriff, der von Charles Sanders Pierce geprägt
wurde. Er bezeichnet den unabschließbaren Prozeß der
Bezugnahme (und Interpretation) von Zeichen auf andere Zeichen. Das nebenstehende Schema ist eine Fortentwicklung des semiotischen Dreiecks; man kann sich das in etwa so vorstellen, dass ein solches Dreieck mit weiteren Dreiecken verkoppelt wird, wobei der in früheren Versionen gedachte Verweis auf eine außersprachliche Realität ersetzt wird durch den Verweis auf weitere Zeichen, die Realität für uns erst zugänglich machen. Pierce: "But by ?semiosis? I mean, on the contrary, an action, or influence, which is, or involves, a cooperation of three subjects, such as a sign, its object, and its interpretant, this tri-relative influence not being in any way resolvable into actions between pairs.? [Deutsche Übersetzung] ?Aber unter ?Semiosis? verstehe ich im Gegensatz dazu eine Aktion oder einen Einfluss, wobei drei Subjekte zusammenwirken (oder der diese mit einbezieht), wie dies beim Zeichen, seinem Objekt und seinem Interpretanten der Fall ist, wobei dieser dreistellige Einfluss auf keine Art und Weise in Aktionen zwischen Paaren aufgelöst werden kann.? (Peirce, CP 5.484) Peirce zufolge ist die Semiose ein kontinuierlicher Zeichenprozess, der auf der Interpretation eines Zeichens durch ein anderes beruht. Jakobson hat diesen Prozess als einen Übersetzungsprozess beschrieben. ?(...) die Bedeutung jedes sprachlichen Zeichens ist seine Übersetzung in ein weiteres, alternatives Zeichen, insbesondere in ein Zeichen, ?in dem es weiter entwickelt wird?, wie Peirce, der tiefschürfendste Erforscher der Natur des Zeichens, wiederholt gesagt hat.? (Jakobson, S.W. 11, 1971: 26) Diese Konzeption läßt sich - so das "moving principle" der Arbeitsstelle für angewandte Semiotik - auf verschiedene gesellschaftliche und politische Praktiken übertragen. Zum Beispiel kann dies für die Praxis des Unterrichtens bedeuten, das Tafel-Zeichen von seiner frontalen, einseitigen Benutzung abzulösen und zu pluralisieren: viele Tafeln, die wir benutzen, um uns etwas zu erklären, klar zu machen, visuell zu zeigen. Diese "Tafeln" können Papierblätter, Computerbildschirme Wände oder ähnliches sein. Demokratie und semiosis heißt, dass jeder Staatsbürger oder jede Staatsbürgerin Interpretant von Zeichen ist, ohne dass dieser Prozess auf Dauer stillgestellt werden kann. Semiosis der Demokratie heißt dann konkret: Kampf gegen die Kristallisierungen der Macht; Kampf gegen die politischen Diskurs-Regimes der Sachzwänge und Effizienz, die die Kreativität der Massen missbrauchen, und: Kampf gegen das politische Imaginäre, das sich Führung wünscht, wenn Selbst-Regierung möglich ist. | |||||||||||